Herzrasen in den Wechseljahren: Harmlos oder abklären?
Dr. Claudia ThornFachärztin für Allgemein- und Familienmedizin · zuletzt geprüft am 16. Oktober 2026
Herzklopfen, Herzrasen und Herzstolpern sind in den Wechseljahren häufig und oft mit Hitzewallungen, Stress oder schlechtem Schlaf verbunden. Meist steckt nichts Gefährliches dahinter. Weil nach der Menopause aber das Herz-Kreislauf-Risiko steigt und sich hinter neuem Herzstolpern auch Vorhofflimmern oder eine Schilddrüsenüberfunktion verbergen können, sollte es einmal ärztlich abgeklärt werden.
Zuerst das Wichtigste
Sofort den Notruf wählen: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz
- Herzrasen mit Schmerz oder Enge in der Brust
- akute Atemnot
- Ohnmacht oder das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden
- plötzliche Lähmung oder Sprachstörung
- sehr schneller Puls, der nicht aufhört, mit Schwindel oder kaltem Schweiß
Häufig und meist harmlos
In der amerikanischen SWAN-Studie wurde Herzklopfen über viele Jahre beobachtet. Rund die Hälfte der Frauen hatte rund um die Wechseljahre zeitweise eine mittlere bis hohe Wahrscheinlichkeit dafür, am höchsten von der Perimenopause bis in die frühe Postmenopause, danach nahm es wieder ab.
der Frauen hatten in den Wechseljahren zeitweise häufiger Herzklopfen.
SWAN-Studie, Menopause 2023
gehörten zur Gruppe mit dem höchsten Risiko, oft zusammen mit Hitzewallungen und Stress.
SWAN-Studie, Menopause 2023
Die Frauen mit viel Herzklopfen hatten häufiger Hitzewallungen, depressive Verstimmungen, Stress, Schlafprobleme und einen höheren Blutdruck. Mit verkalkten oder steifen Gefäßen hing das Herzklopfen in der Studie nicht zusammen. Das beruhigt, ersetzt aber keine Abklärung.
Warum du es trotzdem einmal abklären lassen solltest
Herzstolpern ist meist Ausdruck harmloser Extraschläge. In einer großen norwegischen Bevölkerungsstudie hatten Frauen, die später ein Vorhofflimmern bekamen, im Jahr davor aber häufiger Herzklopfen bemerkt. Neues Herzstolpern sollte deshalb nicht einfach als „hormonell“ abgetan werden. Dazu kommt: Mit der Menopause verändern sich Blutfette, Gefäße und Körperzusammensetzung ungünstig, und das Herz-Kreislauf-Risiko steigt. Die amerikanische Herzgesellschaft sieht die Lebensmitte deshalb als wichtiges Zeitfenster für Vorbeugung.
- Ruhe-EKG und bei Anfällen ein Langzeit-EKG oder ein Ereignisrekorder
- Schilddrüsenwert TSH, um eine Überfunktion auszuschließen
- Blutbild und Eisen, weil eine Blutarmut Herzrasen auslösen kann, etwa nach starken Blutungen in der Perimenopause
- Blutdruck, Blutzucker und Blutfette als Teil der Herzvorsorge
Wie fühlt es sich bei dir an? Tipp an, was passt. Es wird nichts gespeichert.
Was du selbst tun kannst
Kaffee: kein generelles Verbot
In einer Studie im New England Journal of Medicine führte Kaffee nicht zu mehr Extraschlägen aus dem Vorhof, nur zu etwas mehr Extraschlägen aus der Herzkammer. Wer merkt, dass Kaffee das Herzklopfen verstärkt, reduziert ihn. Ein generelles Verbot ist nicht nötig.
Marcus et al., NEJM 2023Alkohol reduzieren
Bei Menschen mit Vorhofflimmern, die regelmäßig trinken, senkte Alkoholverzicht in einer Studie die Rückfälle deutlich. Für das Herz insgesamt gilt: weniger ist besser.
Voskoboinik et al., NEJM 2020Hitzewallungen behandeln
Weil Herzklopfen oft mit Hitzewallungen einhergeht, lohnt es sich, diese gezielt anzugehen.
Ratgeber HitzewallungenSchlaf und Stress
In der SWAN-Studie hing viel Herzklopfen mit Stress und Schlafproblemen zusammen. Beides anzugehen entlastet auch das Herz.
SWAN-Studie, Menopause 2023Mehr zu den Möglichkeiten im Ratgeber Hitzewallungen.
Häufige Fragen
Kann Herzrasen von den Wechseljahren kommen?
Ja, es ist häufig. In der SWAN-Studie hatte rund die Hälfte der Frauen rund um die Wechseljahre zeitweise häufiger Herzklopfen, oft zusammen mit Hitzewallungen.
Ist Herzstolpern gefährlich?
Meist stecken harmlose Extraschläge dahinter. Abklären lassen solltest du es trotzdem einmal, vor allem wenn der Puls über längere Zeit unregelmäßig ist.
Welche Untersuchungen sind sinnvoll?
Ein EKG, bei Anfällen ein Langzeit-EKG, der Schilddrüsenwert TSH, ein Blutbild mit Eisen und eine Blutdruckmessung.
Steigt nach der Menopause das Herzinfarktrisiko?
Ja, das Herz-Kreislauf-Risiko nimmt zu. Blutdruck, Blutfette und Blutzucker solltest du deshalb regelmäßig kontrollieren lassen.
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