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Hitzewallungen: Was hilft, mit und ohne Hormone.

Dr. Claudia Thorn Dr. Claudia ThornFachärztin für Allgemein- und Familienmedizin · zuletzt geprüft am 16. Oktober 2026
Kurz gesagt

Hitzewallungen sind die bekannteste Beschwerde der Wechseljahre und dauern oft länger, als viele erwarten, im Mittel über sieben Jahre. Am wirksamsten ist eine Hormontherapie. Wer keine Hormone nehmen kann oder will, hat heute mehr Möglichkeiten als früher: neue hormonfreie Medikamente, eine gezielte Verhaltenstherapie und, mit weniger sicherer Wirkung, pflanzliche Mittel und Akupunktur.

Was bei einer Hitzewallung passiert

Plötzlich steigt Hitze vom Brustkorb in Hals und Gesicht, die Haut rötet sich, du schwitzt, manchmal rast das Herz. Nach ein paar Minuten ist es vorbei, oft gefolgt von Frösteln. Nachts heißt dasselbe Nachtschweiß.

Der Auslöser sitzt im Gehirn, in der Region, die unsere Körpertemperatur regelt. Nach heutigem Stand werden dort bestimmte Nervenzellen überaktiv, wenn das Östrogen sinkt. Das Temperaturzentrum reagiert dann schon auf kleine Schwankungen und schlägt Alarm, als wäre dir viel zu heiß. Genau an dieser Stelle setzen auch die neuen hormonfreien Medikamente an.

Wie häufig und wie lange?

bis 80 %

der Frauen haben in den Wechseljahren Hitzewallungen, nicht alle davon stark.

Übersichtsarbeiten zur Menopause

7,4 Jahre

dauern häufige Hitzewallungen im Mittel, bei frühem Beginn deutlich länger.

SWAN-Studie, JAMA 2015

In einer großen deutschen Umfrage gaben 39 Prozent der Frauen mit Wechseljahresbeschwerden an, stark unter Hitzewallungen und Schwitzen zu leiden. Bei rund jeder zehnten Frau halten sie auch zwölf Jahre nach der letzten Periode noch an. Das ist kein Grund zur Sorge, aber ein guter Grund, nicht einfach abzuwarten.

Was passt zu mir?

Tipp an, was auf dich zutrifft. Du bekommst einen Überblick, mit dem du gut vorbereitet ins Gespräch mit deiner Ärztin gehst. Es wird nichts gespeichert.

Die Möglichkeiten im Überblick

Hormontherapie

Die wirksamste Behandlung. In einer Cochrane-Auswertung von 24 Studien verringerte sie die Häufigkeit der Hitzewallungen gegenüber einem Scheinmedikament um rund 75 Prozent. Die deutsche Leitlinie empfiehlt, sie Frauen mit Hitzewallungen nach Aufklärung über Nutzen und Risiken anzubieten. Eine feste Höchstdauer nennt sie nicht, die Abwägung wird regelmäßig neu getroffen.

Cochrane 2004/2009 · S3-Leitlinie 2020

Neue hormonfreie Medikamente

Seit Kurzem gibt es Wirkstoffe, die gezielt an den überaktiven Nervenzellen im Temperaturzentrum ansetzen, sogenannte Neurokinin-Rezeptor-Hemmer. Sie sind in der EU zugelassen und verschreibungspflichtig. Bei einem dieser Wirkstoffe müssen in den ersten Monaten die Leberwerte regelmäßig kontrolliert werden.

Europäische Arzneimittel-Agentur 2024, 2025

Verhaltenstherapie

Eine auf die Wechseljahre zugeschnittene kognitive Verhaltenstherapie macht Hitzewallungen nicht seltener, aber weniger belastend. Die britische Leitlinie empfiehlt sie seit 2024 zusätzlich zur Hormontherapie oder statt ihr, wenn Hormone nicht infrage kommen.

NICE-Leitlinie NG23, 2024

Pflanzliche Mittel

Für Traubensilberkerze und Isoflavone aus Soja oder Rotklee spricht die deutsche Leitlinie nur eine offene „Kann“-Empfehlung aus. Die Studien sind uneinheitlich: Eine Cochrane-Auswertung von 16 Studien fand für Traubensilberkerze keinen ausreichenden Wirkungsnachweis.

S3-Leitlinie 2020 · Cochrane 2012

Akupunktur

Akupunktur gehört zur Traditionellen Chinesischen Medizin, in der ich ausgebildet bin. Ehrlich gesagt ist die Studienlage gemischt: Akupunktur lindert Hitzewallungen in Studien, ein klarer Vorteil gegenüber einer Scheinakupunktur ist nicht immer nachweisbar. Am besten schneidet sie in Kombination mit schulmedizinischer Behandlung ab.

Netzwerk-Metaanalyse 2025

Andere Medikamente

Einige Antidepressiva in niedriger Dosis und das Nervenmittel Gabapentin können Hitzewallungen ebenfalls verringern, wirken aber schwächer als Hormone und haben eigene Nebenwirkungen. Sie sind vor allem eine Option, wenn andere Wege nicht passen.

Übersichtsarbeiten

Was du im Alltag tun kannst

  • Zwiebellook: mehrere dünne Schichten, die du schnell ausziehen kannst, und Stoffe wie Baumwolle oder Leinen.
  • Kühl halten: ein Ventilator am Schreibtisch, kühles Schlafzimmer, ein Glas kaltes Wasser in Reichweite.
  • Eigene Auslöser finden: Manche Frauen merken, dass Alkohol, scharfes Essen, heiße Getränke oder Stress eine Hitzewallung begünstigen. Ein paar Wochen Notizen zeigen dir, ob das bei dir so ist.
  • Nicht rauchen: Raucherinnen haben häufiger Hitzewallungen und kommen früher in die Menopause.

Wann du zur Ärztin solltest

Bitte abklären lassen

  • wenn die Hitzewallungen dich im Alltag, im Beruf oder im Schlaf deutlich beeinträchtigen
  • Hitzewallungen oder Nachtschweiß zusammen mit Fieber, ungewolltem Gewichtsverlust oder geschwollenen Lymphknoten
  • Herzrasen, Zittern oder Unruhe ohne Zusammenhang mit dem Zyklus, um die Schilddrüse zu prüfen
  • wenn die Beschwerden vor dem 40. Lebensjahr beginnen

Häufige Fragen

Wie lange dauern Hitzewallungen?

Im Mittel gut sieben Jahre, davon etwa viereinhalb Jahre nach der letzten Periode. Frauen, bei denen sie schon vor oder zu Beginn der Perimenopause anfingen, hatten sie in der SWAN-Studie am längsten, im Mittel fast zwölf Jahre.

Ist eine Hormontherapie gefährlich?

Das hängt von deinem Alter, dem Zeitpunkt, der Art der Hormone und deinen persönlichen Risiken ab. Die heutige Leitlinie sieht eine Hormontherapie deutlich differenzierter als noch vor zwanzig Jahren. Ob sie für dich passt, ist eine individuelle Entscheidung, die du gut informiert mit deiner Ärztin triffst.

Helfen Salbei oder Mönchspfeffer?

Für Salbei gibt es nur wenige kleine Studien: Eine Auswertung von vier Studien fand Hinweise auf etwas seltenere, aber nicht schwächere Hitzewallungen, das Ergebnis ist unsicher. Für Mönchspfeffer fehlen gute Studien zu Hitzewallungen.

Kann ich Hitzewallungen ohne Medikamente loswerden?

Ganz verschwinden sie ohne Behandlung meist erst mit der Zeit. Verhaltenstherapie, Kühlung und das Meiden eigener Auslöser machen sie aber deutlich erträglicher.

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Zu Wechseljahre 2.0
Quellen (8) anzeigen
  1. S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause: Diagnostik und Interventionen, DGGG, SGGG, OEGGG (AWMF-Register 015-062), 2020.
  2. MacLennan AH et al.: Oral oestrogen and combined oestrogen/progestogen therapy versus placebo for hot flushes. Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, überarbeitet 2009.
  3. Avis NE et al.: Duration of Menopausal Vasomotor Symptoms Over the Menopause Transition (SWAN). JAMA Internal Medicine 2015.
  4. forsa im Auftrag der hkk: Wechseljahre im Berufsleben, 2024.
  5. Europäische Arzneimittel-Agentur: Sicherheitsinformation zu Fezolinetant und Leberschäden, 2024; Zulassung Elinzanetant, 2025.
  6. NICE Guideline NG23: Menopause: identification and management, aktualisiert November 2024.
  7. Leach MJ, Moore V: Black cohosh (Cimicifuga spp.) for menopausal symptoms. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012.
  8. Rance NE et al.: Modulation of body temperature and LH secretion by hypothalamic KNDy neurons. Frontiers in Neuroendocrinology 2013.

Dieser Ratgeber informiert und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung oder Beratung.