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Hormontest in den Wechseljahren: Was er wirklich aussagt.

Dr. Claudia Thorn Dr. Claudia ThornFachärztin für Allgemein- und Familienmedizin · zuletzt geprüft am 17. Oktober 2026
Kurz gesagt

Ab 45 braucht es für die Diagnose der Wechseljahre in der Regel keinen Hormontest. Entscheidend sind deine Beschwerden und dein Zyklus. In der Perimenopause schwanken die Hormone von Zyklus zu Zyklus so stark, dass ein einzelner Wert wenig sagt. Sinnvoll ist ein Bluttest vor allem zwischen 40 und 45 und bei Verdacht auf frühe Wechseljahre vor 40. Speicheltests empfehlen die Fachgesellschaften nicht.

Wann ein Hormontest sinnvoll ist

Die deutsche und österreichische S3-Leitlinie zu Peri- und Postmenopause ist hier eindeutig: Bei Frauen über 45 mit typischen Beschwerden wird die Diagnose klinisch gestellt, also aus Beschwerden und Blutungsmuster, ohne Labor. Die britische Leitlinie NICE sagt dasselbe.

ab 45

reichen Beschwerden und Zyklus für die Diagnose, ein Labortest ist nicht nötig.

S3-Leitlinie 2020, NICE 2024

vor 40

sollte bei ausbleibender Periode das Hormon FSH zweimal gemessen werden.

S3-Leitlinie 2020, NICE 2024

  • Zwischen 40 und 45 kann das Hormon FSH bei Beschwerden helfen, die Lage einzuordnen.
  • Vor 40 ist ein Test wichtig, um eine vorzeitige Erschöpfung der Eierstöcke zu erkennen. Sie betrifft etwa eine von hundert Frauen. Dafür wird FSH zweimal im Abstand von vier bis sechs Wochen gemessen.
  • Unter der Pille oder einer hochdosierten Gestagen-Behandlung ist FSH für die Diagnose nicht aussagekräftig.

Zur Leitlinie gibt es seit 2026 eine überarbeitete Fassung, die noch in der Abstimmung ist. Gültig ist bis zu ihrer Veröffentlichung die Fassung von 2020.

„Ihre Werte sind normal“, und trotzdem geht es dir nicht gut

In der Perimenopause steigen und fallen FSH und Östradiol von Zyklus zu Zyklus, manchmal von Woche zu Woche. Ein normaler Einzelwert schließt die Perimenopause deshalb nicht aus. Er zeigt nur den Moment der Blutabnahme. Wenn du typische Beschwerden hast und dein Zyklus sich verändert, zählt das mehr als eine Zahl.

Auch AMH, Inhibin, die Zahl der Eibläschen im Ultraschall und das Volumen der Eierstöcke sollen ab 45 laut Leitlinie nicht zur Diagnose der Wechseljahre herangezogen werden.

Welcher Test interessiert dich? Tipp an, was passt. Es wird nichts gespeichert.

Was sonst hinter den Beschwerden stecken kann

Müdigkeit, Herzrasen, Schwitzen, Gewichtsveränderung oder Stimmungstiefs können auch andere Ursachen haben. Darum ist es ärztlich üblich, je nach Beschwerden zum Beispiel die Schilddrüse, das Blutbild und das Eisen zu prüfen, bei ausbleibender Blutung auch einen Schwangerschaftstest. Bei Verdacht auf frühe Wechseljahre vor 40 empfehlen die Leitlinien weitere Hormonwerte wie Prolaktin und den Schilddrüsenwert TSH.

Bitte ärztlich abklären lassen

  • ausbleibende oder sehr unregelmäßige Periode vor 40
  • Beschwerden zwischen 40 und 45, die du einordnen möchtest
  • jede Blutung nach zwölf Monaten ohne Periode
  • sehr starke Blutungen oder Zwischenblutungen
  • Herzrasen, ungewollter Gewichtsverlust oder starke Erschöpfung
  • milchiger Ausfluss aus der Brust, wenn du nicht stillst
  • starke Stimmungstiefs

Häufige Fragen

Kann man die Wechseljahre im Blut feststellen?

Ab 45 ist das meist nicht nötig. Die Diagnose stellt die Ärztin aus Beschwerden und Zyklus. Ein Bluttest ist vor allem zwischen 40 und 45 und vor 40 sinnvoll.

Wie zuverlässig sind Wechseljahre-Tests aus der Drogerie?

Sie zeigen nur, ob FSH im Urin zum Testzeitpunkt erhöht ist. Eine Diagnose der Wechseljahre ist damit nicht möglich, und eine Schwangerschaft ist weiterhin möglich.

Ab welchem FSH-Wert ist man in den Wechseljahren?

Für Frauen über 45 gibt es keinen festen Grenzwert. Bei Frauen unter 40 gilt ein FSH über 30 in zwei Messungen im Abstand von vier bis sechs Wochen als Hinweis auf eine vorzeitige Erschöpfung der Eierstöcke.

Meine Hormonwerte sind normal, trotzdem habe ich Hitzewallungen. Wie kann das sein?

In der Perimenopause schwanken die Hormone stark. Ein normaler Einzelwert schließt die Perimenopause nicht aus.

Bringt ein Speicheltest etwas?

Nach Einschätzung der Fachgesellschaften nein. Speicheltests sind nicht als genau und zuverlässig belegt.

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Quellen (6) anzeigen
  1. Ortmann O et al.: Peri- and postmenopause, diagnosis and interventions. Guideline of the DGGG, SGGG and OEGGG (S3-Level, AWMF Registry 015/062): short version. Archives of Gynecology and Obstetrics 2020;302:763–777.
  2. AWMF-Register 015-062: S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause, Konsultationsfassung Version 3.0, 2026 (noch nicht gültig).
  3. NICE Guideline NG23: Menopause: identification and management, Update November 2024.
  4. U.S. Food and Drug Administration: Menopause, Home-Use Tests.
  5. The Menopause Society: Verbraucherinformationen zu Hormontests und Speicheltests.
  6. Endocrine Society: Scientific Statement zu bioidentischen Hormonen und Hormonmessungen.

Dieser Ratgeber informiert und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung oder Beratung.