Hormontherapie in den Wechseljahren: Nutzen und Risiken.
Dr. Claudia ThornFachärztin für Allgemein- und Familienmedizin · zuletzt geprüft am 17. Oktober 2026
Gegen Hitzewallungen ist die Hormontherapie die wirksamste Behandlung, und sie schützt die Knochen. Ihre Risiken hängen von Form, Dauer und Alter beim Beginn ab: Über die Haut steigt das Thromboserisiko nicht erkennbar, mit Gestagen steigt das Brustkrebsrisiko leicht. Für Frauen unter 60 oder in den ersten zehn Jahren nach der Menopause ist das Verhältnis bei belastenden Beschwerden meist günstig. Zur Vorbeugung von Herzkrankheiten oder Demenz ist sie nicht geeignet.
Was eine Hormontherapie kann
weniger Hitzewallungen pro Woche mit Hormonen als mit Placebo. Unter Placebo gingen sie aber auch um 58 % zurück.
Cochrane-Übersicht, 24 Studien
oder in den ersten zehn Jahren nach der Menopause ist das Verhältnis von Nutzen und Risiko bei Beschwerden günstig.
Menopause Society 2022, S3-Leitlinie 2020
- Hitzewallungen und Nachtschweiß: Östrogen ist die wirksamste Behandlung. Die deutsche Leitlinie empfiehlt, sie Frauen mit Hitzewallungen nach Aufklärung anzubieten.
- Knochen: Eine Hormontherapie senkt das Risiko für Knochenbrüche durch Osteoporose. Nur zur Vorbeugung von Osteoporose ist sie aber angezeigt, wenn zugleich Beschwerden bestehen oder andere Mittel nicht vertragen werden.
- Scheidentrockenheit: Hier hilft oft schon lokales Östrogen in der Scheide, das kaum ins Blut übergeht.
- Nicht geeignet ist sie zur Vorbeugung von Herzinfarkt, Schlaganfall oder Demenz. Gegen eine Depression nach der Menopause hilft sie nicht.
Die Brustkrebs-Frage, ehrlich eingeordnet
Die größte Auswertung dazu erschien 2019 im Lancet. Alle Formen der Hormontherapie außer lokalem Östrogen in der Scheide erhöhten das Brustkrebsrisiko leicht, mit Gestagen stärker als Östrogen allein, und mit der Dauer steigend.
Frauen erkrankte zusätzlich bis zum Alter von 69, wenn sie ab 50 fünf Jahre Östrogen plus täglich Gestagen nahm.
Lancet 2019
war es bei fünf Jahren Östrogen allein, das nach Entfernung der Gebärmutter möglich ist.
Lancet 2019
Bei zehn Jahren Anwendung war das zusätzliche Risiko etwa doppelt so hoch, und ein Teil blieb nach dem Absetzen bestehen. Die deutsche Leitlinie spricht je nach Präparat und Dauer von einem kleinen oder keinem Anstieg. In der großen amerikanischen WHI-Studie senkte Östrogen allein, das dort nur Frauen ohne Gebärmutter bekamen, das Brustkrebsrisiko sogar. Nach einer Brustkrebserkrankung wird keine Hormontherapie empfohlen, Ausnahmen gibt es nur im Einzelfall.
Was war mit der WHI-Studie?
2002 stoppte die große amerikanische WHI-Studie ihren Hormonarm vorzeitig, und die Schlagzeile „26 Prozent mehr Brustkrebs“ ging um die Welt. Absolut waren das 8 zusätzliche Fälle pro 10.000 Frauen und Jahr. Die Frauen waren im Schnitt 63 Jahre alt, viele also schon lange nach der Menopause. Getestet wurde nur ein einziges Präparat als Tablette. Spätere Auswertungen nach Alter zeigten, dass die Risiken für Frauen zwischen 50 und 59 deutlich kleiner sind. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat deshalb 2025 begonnen, die pauschale Warnung von den Beipackzetteln zu streichen.
Pflaster, Gel oder Tablette
Wie das Östrogen in den Körper kommt, macht beim Thromboserisiko einen Unterschied. In einer großen britischen Beobachtungsstudie erhöhten Tabletten das Risiko für Thrombosen auf das 1,6-Fache. Bei Östrogen über die Haut, als Pflaster oder Gel, zeigte sich kein Anstieg. Die Leitlinie nennt für Tabletten etwa zwei zusätzliche Fälle pro 1000 Frauen und Jahr und empfiehlt, die Anwendung über die Haut zu bevorzugen.
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Wann du zur Ärztin solltest
Unter einer Hormontherapie bitte rasch abklären lassen
- Blutungen, die nicht zum Schema passen, oder Blutungen nach der Menopause
- ein einseitig geschwollenes, schmerzhaftes Bein
- ein neuer Knoten oder eine Hautveränderung an der Brust
- neue starke Kopfschmerzen oder Migräne mit Sehstörungen
Bei plötzlicher Atemnot, Lähmung, Sprach- oder Sehstörung bitte sofort den Notruf wählen: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz.
Häufige Fragen
Erhöht eine Hormontherapie das Brustkrebsrisiko?
Leicht, abhängig von Präparat und Dauer. Mit Gestagen steigt es stärker als mit Östrogen allein. Lokales Östrogen in der Scheide ist davon ausgenommen.
Pflaster oder Tablette, was ist besser?
Über die Haut steigt das Thromboserisiko nach den Studien nicht erkennbar an. Die deutsche Leitlinie empfiehlt deshalb, diese Form zu bevorzugen.
Wie lange darf man Hormone nehmen?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Nutzen und Risiko werden regelmäßig neu abgewogen, mindestens einmal im Jahr.
Bin ich mit 60 zu alt für eine Hormontherapie?
Am günstigsten ist ein Beginn vor 60 oder in den ersten zehn Jahren nach der Menopause. Danach wird die Abwägung schwieriger.
Schützt eine Hormontherapie vor Herzinfarkt oder Demenz?
Nein, dafür ist sie nicht geeignet. Ein Beginn nach 65 erhöhte in der WHI-Studie sogar das Demenzrisiko.
Fakten statt Schlagzeilen.
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