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Gelenkschmerzen in den Wechseljahren: Was dahintersteckt.

Dr. Claudia Thorn Dr. Claudia ThornFachärztin für Allgemein- und Familienmedizin · zuletzt geprüft am 16. Oktober 2026
Kurz gesagt

Gelenk- und Muskelschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden der Wechseljahre. In einer Auswertung vieler Studien berichteten rund sieben von zehn Frauen in der Perimenopause davon. Die Hormone spielen eine Rolle, erklären aber nicht alles. Am besten belegt hilft Bewegung, vor allem mit Kraft. Wichtig ist, Rheuma, Schilddrüse oder Gicht nicht zu übersehen.

Häufiger, als viele denken

71 %

der Frauen in der Perimenopause berichten von Muskel- und Gelenkschmerzen.

Metaanalyse von 16 Studien, 2020

1 von 4

Frauen mit Wechseljahresbeschwerden hat starke Gelenk- oder Muskelbeschwerden.

forsa für die hkk, 2024

Östrogen wirkt auf Knorpel, Gelenkhaut und Muskeln, im Gelenkgewebe gibt es Östrogenrezeptoren. Dass der sinkende Östrogenspiegel eine Arthrose verursacht, ist allerdings nicht bewiesen. Fachleute fassen Gelenkschmerzen, Muskelschwund und Knochenverlust in den Wechseljahren inzwischen unter dem Begriff „muskuloskelettales Syndrom der Menopause“ zusammen. Ein Begriff, der zeigt: Das Thema wird endlich ernst genommen.

Finger, Knie, Schultern

Häufig betroffen sind Finger und Hände, Knie, Schultern und der Rücken, oft mit Anlaufschmerz am Morgen. Eine Arthrose der Fingergelenke beginnt auffällig oft um die Zeit der letzten Periode: In einer Spezialambulanz bemerkten 59 Prozent der Frauen ihre ersten Handbeschwerden in den vier Jahren vor oder nach der Menopause. Ob die Hormone der Grund sind, ist noch nicht geklärt.

Wo tut es dir am meisten weh? Tipp an, was passt. Es wird nichts gespeichert.

Was hilft

Bewegung und Krafttraining

Gezieltes Training ist die Basis jeder Arthrose-Behandlung und wird von den Leitlinien als erster Schritt empfohlen. Starke Muskeln stabilisieren und entlasten die Gelenke. Wichtig ist Regelmäßigkeit, nicht Höchstleistung.

NICE-Leitlinie Arthrose NG226, 2022

Gewicht

Bei einer Arthrose im Knie entlastet jedes Kilo weniger das Gelenk. Das gilt besonders, wenn in den Wechseljahren das Gewicht gestiegen ist.

Hormone

In der großen amerikanischen WHI-Studie hatten Frauen unter Östrogen nach einem Jahr etwas seltener Gelenkschmerzen als unter Placebo, 76 gegenüber 79 Prozent. Ein kleiner Effekt, der für sich allein kein Grund für eine Hormontherapie ist.

Chlebowski et al., Menopause 2013

Kollagen

Bei Kniearthrose zeigen Auswertungen kleine Verbesserungen bei Schmerz und Funktion, die Studien sind aber klein und nicht alle Effekte spürbar. Zu Gelenkschmerzen in den Wechseljahren gibt es keine Daten. Dass Kollagen Knorpel wieder aufbaut, ist nicht belegt.

Metaanalysen 2018 und 2024

Wann du zur Ärztin solltest

Bitte ärztlich abklären lassen

  • geschwollene, gerötete oder überwärmte Gelenke
  • Morgensteifigkeit, die länger als eine halbe bis eine Stunde anhält
  • plötzlich starker Schmerz in einem einzelnen Gelenk, zum Beispiel bei Verdacht auf Gicht
  • Fieber, Gewichtsverlust oder Schmerzen, die nachts wecken
  • Schmerzen im Schulter- und Beckengürtel ab 50 mit Krankheitsgefühl
  • Gelenkschmerzen unter einer antihormonellen Brustkrebstherapie, sie können eine Nebenwirkung sein
  • Beschwerden, die länger als einige Wochen anhalten

Bei einem heißen, geschwollenen Gelenk mit hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl bitte sofort ärztliche Hilfe holen oder den Notruf wählen: 112 in Deutschland, 144 in Österreich und der Schweiz.

Häufige Fragen

Können Wechseljahre Gelenkschmerzen verursachen?

Ein Zusammenhang ist gut beobachtet: In der Perimenopause berichten deutlich mehr Frauen von Muskel- und Gelenkschmerzen als vorher. Die Ursache ist wahrscheinlich vielschichtig, Hormone spielen mit, aber auch Muskelabbau, Gewicht und Schlaf.

Welche Gelenke tun in den Wechseljahren weh?

Häufig Finger und Hände, Knie, Schultern und der Rücken, oft mit Anlaufschmerz am Morgen. Eine Arthrose der Fingergelenke beginnt gehäuft um die Menopause.

Hilft eine Hormontherapie gegen Gelenkschmerzen?

In der WHI-Studie gab es unter Östrogen eine kleine, anhaltende Linderung. Das ist kein alleiniger Grund für eine Hormontherapie. Die Entscheidung hängt von all deinen Beschwerden und Risiken ab.

Wie unterscheide ich das von Rheuma?

Warnzeichen für Rheuma sind geschwollene, überwärmte Gelenke, oft an beiden Händen gleichzeitig, und eine Morgensteifigkeit von mehr als einer halben bis einer Stunde. Dann bitte ärztlich abklären lassen.

Muskeln stärken, Gelenke entlasten.

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Quellen (7) anzeigen
  1. forsa im Auftrag der hkk: Gesundheit, Beruf, Familie: Wie erleben Frauen die Wechseljahre? 2024.
  2. Musculoskeletal Pain during the Menopausal Transition: A Systematic Review and Meta-Analysis, 2020 (PMC7710408).
  3. Wright VJ et al.: The musculoskeletal syndrome of menopause. Climacteric 2024.
  4. Gulati M et al.: Studie zum Beginn der Handarthrose um die Menopause, 2024; Watt FE: Hand osteoarthritis, menopause and menopausal hormone therapy. Maturitas 2016.
  5. Chlebowski RT et al.: Estrogen alone and joint symptoms in the Women's Health Initiative randomized trial. Menopause 2013.
  6. NICE Guideline NG226: Osteoarthritis in over 16s: diagnosis and management, 2022.
  7. Metaanalysen zu Kollagen bei Kniearthrose: 2018 (PMID 30368550) und Clinical and Experimental Rheumatology 2024/25.

Dieser Ratgeber informiert und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung oder Beratung.